Kiefer: „Alfeld gutes Beispiel dafür, was mit Hingabe und harter Arbeit möglich ist“

Von David Paasche

Er war die Nummer vier der Welt, gewann Silber in Athen und stand 2006 sogar im Halbfinale der Australian Open: Nicolas Kiefer zählt zu den erfolgreichsten Spielern der deutschen Tennisgeschichte. Am Sonntag war er im Rahmen des Heimspiels gegen den TSC Halstenbek zu einem Meet and Greet an der Alfelder Jahnstraße zu Besuch. Im AZ Interview spricht Kiefer unter anderem über seine Beziehung zum Tennis-Club Alfeld (TCA), den Status Quo im deutschen Tennis und seine persönlichen Zukunftspläne.

Hallo Nicolas, wie kommt es, dass Sie beim TCA zu Gast waren? 

Das hat mehrere Gründe. Zum einen vertreibe ich über meinen ‚Kiwi‘-Onlineshop verschiedene Sportlerkleidung. Sebastian Wöhler und Heiko Lanclée haben mich dann gefragt, ob eine TCA-Kollektion möglich wäre. Nachdem ich einige Zeit daran gebastelt habe, ist etwas Schönes entstanden.

Als Sebastian, mit dem ich schon länger in Kontakt bin, dann fragt, ob ich den Verein mal besuchen wollen würde, war mir das ein Anliegen – nicht zuletzt, weil das Interesse an mir und meinen Produkten immens groß war. Wir haben wirklich einen schönen Tag auf der Anlage zusammen verbracht.

Sie haben einige Spieler des TCA an der Tennis Base trainiert. Wie sehen Sie ihre Entwicklung?

Genau, abgesehen von der Kooperation hinsichtlich der Kollektion spielen mit Jannik Opitz, Fabian Gusic und Tom Zeuch beim TCA auch drei Spezis, mit denen ich viel trainiert habe – ein weiterer Grund, warum ich am Sonntag vor Ort war. Es ist schön zu sehen, dass jeder von ihnen seinen eigenen Weg geht.

Tom und Jannik sind gute Beispiele dafür, dass der Schritt, nach dem Abitur in die USA zu gehen, um dort als Tennis-Stipendiat einerseits sportlich weitere Schritte nach vorn zu machen und andererseits eine universitäre Ausbildung zu absolvieren, auf jeden Fall eine gute Option ist. Fabian hat Ähnliches noch vor sich.

Dass die Jungs immer wieder ins eher kleine Alfeld zurückkehren und mitunter sogar bei Basti wohnen, unterstreicht zudem den außergewöhnlichen Charakter des Vereins. 

Wie sieht Ihre Beziehung zum TCA aus und wie schätzten Sie die Arbeit, die Sebastian Wöhler und Co. leisten, ein?

Wie schon gesagt, habe ich einige Berührungspunkte. Außerdem waren mit Martin und Phillip Eilers zwei sehr enge Freunde ebenfalls beim TCA unterwegs. Daher war ich eigentlich immer mit Basti und dem TCA in Kontakt. Ich schätze den Verein für seine sehr familiäre Atmosphäre. Die Spieler fühlen sich wohl und liefern dort voll ab. Alfeld ist ein gutes Beispiel dafür, was mit Hingabe und harter Arbeit möglich ist.

Können Sie sich vorstellen, dass der TCA den Sprung in die Regionalliga oder eines Tages gar in die 2. Liga schafft?

Was diese Saison betrifft, denke ich schon, dass sie den Aufstieg in die Regionalliga packen können. Derzeit sieht es sehr gut aus. Entscheidend ist, dass alle Spieler fit bleiben – dann sollte der große Wurf gelingen.

Dadurch, dass der Verein durch regionale Sponsoren gut aufgestellt ist, stimmen auch die Rahmenbedingungen. Ich bin überzeugt, dass die Reise hier noch lange nicht zu Ende ist. Die gute Vernetzung bringt, wie man sieht, auch einen gewissen überregionalen Spielerpool mit sich, wenngleich die Identität, die regionalen Spieler, stets gewahrt wird. In meinen Augen bestünde eine gute Chance, die dritte Liga zunächst einmal zu halten.

Wie intensiv verfolgen Sie das Profi-Tennis nach Ihrer Karriere – wen sehen Sie als Speerspitze des deutschen Tennis und wie ist dieses für die Zukunft aufgestellt?

Ich bin schon viel auf verschiedenen Plätzen unterwegs. Im Herrentennis führt kein Weg an Alexander Zverev vorbei – danach kommt lange nichts. Bei den Damen sind unsere besten Spieler jenseits der 30. Wir haben an sich gute Förderprogramme. Mir fehlt mitunter ein wenig die Transparenz, wie gearbeitet wird oder wofür Gelder eingesetzt werden – daher frage ich manchmal schon: ‚Wo sind unsere Talente?‘

Wird man Sie nochmals im Profi-Tennis sehen, etwa als Trainer auf der Tour oder liegt Ihr Fokus auf anderen Dingen?

Ich warte, bis Basti mich anruft (lacht). Nein, im Ernst: Ich bin durch verschiedene Projekte, wie meine ‚Coach Kiwi‘-Aktion oder die Zusammenarbeit mit Robinson, derzeit gut eingespannt. Dennoch würde ich niemals nie sagen.

Was raten Sie jungen Sportlern, die den Traum vom Profitennis haben? Beim TCA gibt es ja einige Talente, die einen derartigen Traum haben.

In erster Linie der Mix aus Disziplin, Spaß an dem, was ich tue, und Gesundheit. Wie immer im Leben, muss man zudem im richtigen Moment am richtigen Ort sein. Daher ist es gar nicht so verkehrt, nicht alles auf die Karte Tennis zu setzen.

Vielen Dank!

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